Die Stadt Völklingen (Saarland) war Ausrichter der diesjährigen Deutschen Meisterschaft 2005 im Karate. Aus der Stadt Brandenburg haben sich 14 Starter hierfür qualifiziert. Mit dieser Teilnehmerzahl stellte die Havelstadt knapp die Hälfte (!) aller Starter.
Die Eltern und Starter machten sich am Freitag, mit den von Opel Staiger zur Verfügung gestellten Kleinbussen und dem Reisebus von der Fahrschule Mansfeld, auf die achtstündige Fahrt ins Saarland. Die größten Chancen auf einem Platz unter den ersten Drei hatten Jens Müller und Anna Pippel. Beide starteten in diesem Jahr das letzte Mal in der Jugend. Während alle anderen Starter das erste Mal dabei waren bzw. als "Neulinge" in den Jugendbereich wechselten.
Isabelle Wollny (Kata und -40kg), Gina Plagemann (Kata und -50kg), Katja Mosow (-50kg) und Lisa Ribguth (-45kg), Maximillian Kaiser (-50kg) und Thomas Schulze (+55kg) gingen im Schülerbereich an den Start. Minimalziel für alle war das Erreichen der dritten Runde. In der Jugend gingen bei den Mädchen Victoria Lilienthal (-51kg) und Madlen Schulz (-57kg), beide letztes Jahr mit Platz 5 bei den Schülern, sowie die favorisierte Anna Pippel (ebenfalls -57kg) an den Start. Bei den Jungen vertraten Steffen Pfalz (-65kg) und Jens Müller (ebenfalls -65kg), der letztes Jahr siebenter mit der Mannschaft wurde, die Havelstadt.
Isabelle und Gina hatten bei ihren Katastarts, beide in der ersten bzw. zweiten Runde die späteren Finalistinnen vor sich, so das sie in der Trostrunde noch die Chance auf den dritten Platz hatte. Leider reichte es hier im 44 Mann starken Katafeld für beide nur zu Rang neun. Bei ihren Kumitestart schied Isabelle (-40kg) in der zweiten Runde gegen die Baden-Würtenbergerin Dorothea Emer aus. Gina (-50kg) erwischte es auch in der zweiten Runde gegen Lisa Kirchberg (ebenfalls Baden-Würtenberg).
Für eine kleine Überraschung sorgte Katja Mosow (auch -50kg). Bei ihrem ersten Start auf einem solchen hochklassigen Turnier, schaffte sie es auf Anhieb in die dritte Runde. Dort schied sie dann knapp mit 0:1 gegen Kenny Schmidt (Saarland, am Ende mit Platz 5) aus. In der ersten Runde war dieses Jahr für Lisa Ribguth schluss. Für Maximillian Kaiser (-50kg) war in Runde drei alles aus. Er begann stark und in Führung ging, geriet aber dann durch Übermotivation in einen Rückstand und den er nicht mehr ausgleichen konnte. Thomas Schulze (+55kg) verlor in der letzten Sekunde in Führung liegend noch seinen Kampf und schied damit in der ersten Runde aus.
Steffen Pfalz (-65kg) kämpfe gegen den Thüringer Maik Dobbrunz aufopferungsvoll, versuchte aber zu oft im Clinch und mit Würfen den Kampf zu entscheiden. In der gleichen Klasse war unerwartet auch für Jens Müller in der ersten Runde Schluss. Er verlor 4:5 gegen Marcel Fischer aus Niedersachsen. Sekunden vor dem Kampfende gab man ihm wegen eines fragwürdigen zu harten Kontakts keinen Punkt, den er zur Verlägerung gebraucht hätte.
Für Victoria (-51kg)und Madlen (-57kg) war es von vorn herein ein Start, bei dem sie nur Erfahrungen sammeln sollten. In diesen Klassen waren alle Nationalmannschaftkader am Start. Viele Deutsche Meister waren hier vertreten. Für Vici war in der ersten Runde (4:7) nach einem guten Start trotzdem gegen Nicole Scherbel (Berlin) kein Weiterkommen.Nicole ist amtierende Wado-Ryu Vizeeuropameisterin. Auch für Madlen war in Runde zwei gegen die Niedersächsin Tatjana Grundmann Endstation.

Eine Galavorstellung lieferte an diesem Tag aber Anna Pippel in der Klasse bis 57 kg ab. Auf ihrem Weg zu einem der vier Poolsieger schaltete sie Sarah Kudell (Sachsen), Rebecca Niggl (Baden-Würtenberg) und Katharina Beitler (Hessen) aus. Im Halbfinale stand ihr dann Marion Karch (Baden-Würtenberg) gegenüber. Nach Ablauf der regulären Kampfzeit stand es 4:4 unentschieden. Leider bewies der Kampfrichter in den Verlägerung wenig Fingerspitzengefühl. Obwohl der zweite Kampfrichter keine wertbare Technik sah, entschied der Hauptkampfrichter für Marion Karch. Eine sehr zweifelhafte Entscheidung der Anna den Einzug ins Finale kostete. Dafür fertigte sie dann im Kampf um Platz drei ihre Gegnerin Jennifer Münchow aus Berlin vorzeitig mit 9:1 ab und holte damit am Samstag die erste Medaille bei einer Deutschen Meisterschaft an die Havelstadt.
Aber sie setzte noch eins drauf. In Mannschaftskampf, wo sie für Bushido Beelitz an den Start ging. Hier schalteten sie nacheinander die Mannschaften aus Niedersachsen, Bayern und Sachsen aus. Im Poolfinale, wo es um den Einzug ins Finale ging, lag ihre Mannschaft die erste Niederlage mit 0:1 hinten. Dann musste Anna im zweiten Kampf den Gleichstand wieder herstellen. Dann geschah etwas womit niemand gerechnet hätte. Nachdem Anna den Kampf zu ihren Gunsten drehte, legte der Betreuer der Berliner, mitten im Kampf, Protest ein, gegen die Aufstellung der Brandenburger. Das Vertauschen von zwei Buchstaben bei der Startaufstellung führte zur Disqualifikation der Brandenburger. Tief enttäuscht um den verpassten Finaleinzug motivierte Anna ihre beiden Kameradinnen die Panne schnell zu vergessen. Wörtlich sagte sie: "Dann holen wir uns eben den dritten Platz." Sie hielt Wort und gewann mit der Mannschaft den Kampf um Platz drei gegen die Rheinland-Pfälzer mit 2:1. Ihre zweite Medaille an diesem Wochenende.
Ihre Trainer Bodo Pippel und Andy Laube waren sehr stolz auf die gezeigte Leistung. Dies ist auch für die Trainer eine Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg ist, aus Brandenburg eine Karate Hochburg zu machen.
Andy Laube
© K. Laube (seit 2000)