Voller Erwartungen geht man das erste Mal zum Training. Was man bisher über Karate wußte, kannte man aus dem Fernseher oder eventuell aus Büchern. Vielleicht weiß man daher, dass das Wort Karate aus kara (=leer), te (=Hand) und do (=Weg) besteht und zusammen Weg der leeren Hand bedeutet. Und nun betritt man das Dojo (=Trainingsraum).

Das Training beginnt mit einer scheinbar umfangreichen Begrüßung. Die Länge hängt davon ab, wie traditionell der jeweilige Sensei (=Lehrer, Trainer) eingestellt ist.
Man grüßt zuerst vor dem Betreten des Dojos an. Dann setzen sich alle nach Gürtelfarben sortiert auf den Boden (seiza = hinknien). Dabei geht man in die Hocke und setzt zuerst das linke Knie und dann das rechte Knie ab. Dabei bleibt der Oberkörper und der Blick aufrecht, so dass man sein Gegenüber ständig im Auge behält.
Auf das Kommando Mokuzo werden die Augen geschlossen und der Geist wird von allen Gedanken vor Trainingsbeginn frei gemacht. Nach ein paar Sekunden oder auch Minuten werden bei Mokuzo Yame die Augen wieder geöffnet und bei Sensei-ni-Rei folgt der Gruß zum Lehrer. Mitunter grüßt man auch zu den Mitschülern (=Otageni-Rei) und zu den Gästen (=Shomen-Ni-Rei) ab.
So blank wie die Oberfläche des Spiegels alles wiedergibt, was vor ihm steht, und wie ein stilles Tal selbst den schwächsetn Laut weiterträgt, soll der Karateschüler sein Innneres leermachen von Selbstsucht und Boshaftigkeit, um in allem, was ihm begegnen könnte, angemessen zu handeln. - G. Funakoshi, Begründer des Shotokan Karate
Nun beginnt das eigentliche Training, das aus Kihon (=Grundschule), Kata (=Form, Kampf gegen imaginäre Gegner), Bunkai und Kumite (=Partnerübung, Kampf) besteht. Wie stark jeder einzelne dieser Teile tatsächlich trainiert wird, hängt von dem Verein, dem jeweiligen Trainer und den Trainingszielen ab.
Und nun zu den vier häufigsten Kommandos. Yoi heißt Achtung! und meint, dass man sich in aufmerksame Ausgangsstellung (=Shizentai = natürliche Stellung) begibt. Die Füße stehen schulterbreit, parallel auseinander und die Arme hängen vor dem Körper faustbreit entfernt.
Die Techniken werden von haj ime (=Fangt an!) bis yame (=Halt !) geübt. Beim Kihon wird noch mawate (=Wendet!) vorkommen.
Spätestens zur ersten Gürtelpfrüfung kauft man sich einen Karate-Gi (= Karate-Anzug) und steht vor der Frage: Wie binde ich meinen Gürtel?


© K. Laube (seit 2000)